Die Künstlerin

1999 begann Bettina Bollmann-Koch erstmals mit dem Material Speckstein zu arbeiten. Erste bildhauerische Arbeiten entstanden. Workshops bei Künstlern, zur technischen Weiterentwicklung, folgten. Dabei blieb sie in ihrer Ausdrucksweise dem treu, was sich aus ihr heraus zu entwickeln begann.
Autodidaktisch entwickelte sie sich im Laufe der Jahre kontinuierlich weiter und fand ihren ganz eigenen künstlerischen Stil Bruchsteine in ausdrucksstarke Skulpturen zu verwandeln. Neben Skulpturen aus Steatit (Speckstein) entstehen Werke aus Kalkstein, Sandstein, Alabaster, Selenite, Tuffstein, Pyrophyllit und Serpentin. Ihre Liebe zum Steatit, mit seinen vielen verschiedenen Farben, Maserungen und Härten, ist aber ungebrochen. Dieser Stein zieht sie an. Dabei arbeit sie MIT ihm, zwinge ihm keine Form auf, sondern macht sich mit ihm vertraut.

„Ich lasse mich von den Besonderheiten eines Steins leiten und binde diese in meine Skulpturen ein.“

Gerade auch in ihren abstrakten Werken wird sichtbar, dass der Rohstein mit seinen Besonderheiten eine wichtige Rolle spielt, sie in der Formgebung leitet. Sie drückt ihren Respekt vor dem Naturstein aus, indem sie gerade besondere, oder auch einmal ganz unbedeutende, aber natürliche Stellen des Steines unbearbeitet lässt. Dabei ist ihre Formensprache eine eher fließende, die sich durch den gebrochenen Stein ihren Weg bahnt und vielleicht auch von ihm unterbrochen, oder begrenzt wird.

Ihre figürlichen Skulpturen sind reduziert auf ihren Ausdruck. Sie wachsen aus dem Stein heraus und sind für die Künstlerin fertig, wenn sie sich selbst von ihnen berührt fühlt, wenn sie ausdrücken konnte, was sie bewegt. Die Vollendung der Körper oder die anatomische Korrektheit treten dann in den Hintergrund.

Bettina Bollmann Koch sagt: „Es sind die Menschen mit ihren verschiedenen Lebensgeschichten und Gefühlen, die mich beschäftigen. Menschen, denen ich begegne und erstaunlich nahe bin, wenn ich nur hinsehe und zuhöre. Menschen mit leiser Stimme, die doch viel zu sagen haben. Menschen, die nicht mehr leise sein wollen oder können. Ich folge meinem großen inneren Drang mich auszudrücken, im Stein und auch in Worten. Immer sind es meine eigenen Gedanken und Gefühle, die nach Ausdruck streben. Sehr oft aus der intensiven Auseinandersetzung mit Menschen geboren, die mir begegnen, die sich mir zeigen. Es ist natürlich auch die Auseinandersetzung mit meinem eigenen Leben und Fühlen und mit Themen, die ich mir stelle, oder die an mich herangetragen werden. Ich fühle mich tief hinein und drücke mich dann, auch stellvertretend für Mitmenschen aus. Ich möchte aufdecken und offen legen. Ich möchte ermutigen und Selbstvertrauen stärken.“

Aus aufsteigenden Gedanken, Gefühlen und Einsichten, die bei der Auseinandersetzung mit dem Stein, dem Leben und der Erschaffung und Betrachtung ihrer Skulpturen ans Licht drängen, entstehen seit 2006 eigene Texte. Diese Texte begleiten ihre Skulpturen auch in Ausstellungen. Als Autorin von Prosa und Lyriktexten setzt sie sich mit verschiedenen Lebensthemen, wie Zwischenmenschlichkeit, Glauben, Gerechtigkeit etc. auseinander. Ihre literarischen Texte entstehen oft ergänzend zu ihren Skulpturen, erzählen ihre eigenen Geschichten. Aber auch losgelöst von ihrer Kunst schreibt und veröffentlicht sie freie Texte und kurze Geschichten.

Veröffentlichungen erfolgen in Lesungen, Anthologien. Literaturzeitschriften, kirchlichen Zeitschriften und Begleittextheften zu ihren Ausstellungen.