Öffentlicher Raum

Ein Kunst-im-öffentlichen-Raum-Projekt

Ausgeschrieben vom Netzwerk Seebrücke Minden und dem
Informationszentrum 3.Welt Minden als gemeinnütziger Verein.

Eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Begriffsfeld
Flucht – Migration – Seenotrettung - Integration - Rassismus  
zeigt die Skulptur HILFE von Bettina Bollmann-Koch.
Als Abbildung auf einem etwa 500 cm x 600 cm großem Banner,
das an der östlichen Fassade der Alten Vincke-Realschule
in der Alten Kirchstraße, Obere Altstadt Minden montiert ist.

 

 

HILFE

HILFE , Steatit, Bettina Bollmann-Koch, Foto Ansgar Meise, VG BildKunst

 

Ein in Not geratender Mensch, der mit überlangem Arm sein verzweifeltes Hoffen auf Hilfe zum Ausdruck bringt, der unermüdlich Lebenszeichen sendet, der versucht durch gewaltige Hindernisse hindurch Kontakt zu Helfern aufzunehmen.

 

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HILFE , Steatit, Bettina Bollmann-Koch, Foto Ansgar Meise, VG BildKunst

Hindernisse wie übergroße Entfernung, Wüsten, Berge, Schnee, Meere, Hunger, Durst, Regen, Unterdrückung, Verfolgung, Gleichgültigkeit, Fremdenhass, Angst, Wasser, Schnee, Gefechte, Minen, Sprachbarrieren…

HILFE , Steatit, Bettina Bollmann-Koch, Foto Ansgar Meise, VG BildKunst

Die Helfer, ausgedrückt in einer übergroßen, kräftigen Hand, bilden ein starkes Team, das unter der Verantwortung eines Leiters geübt vorgeht, zielgerichtet arbeitet und rettet. Und doch sind es, wie jeder einzelne Finger einer Hand Individuen. Jeder Einzelne gibt sein Bestes, jeder muss für sich mit dieser Situation körperlich und mental fertig werden.

 

HILFE , Steatit, Bettina Bollmann-Koch, Foto Ansgar Meise, VG BildKunst

Auch hier drücken die lang ausgezogenen, im Naturstein endenden Finger Hoffnung und Willensstärke aus, die antreiben weiter zu helfen, auch wenn die Hoffnung von Stunde zu Stunde schwindet, wenn wieder und wieder Hilfe gebraucht wird.

Der Teamleiter (Daumen), trägt die Verantwortung, muss die Übersicht behalten, ist für das Gelingen, aber auch für sein Team verantwortlich.

HILFE , Steatit, Bettina Bollmann-Koch, Foto Ansgar Meise, VG BildKunst

Wir als Betrachter sehen, dass die Rettung nahe ist, dass die Hoffnung berechtigt ist. Aber sowohl die hilfesuchende Person als auch die Helfer haben nur ihre Hoffnung. Der Abstand kann klein, aber auch unüberwindbar groß sein. Sie wissen es oftmals nicht.

Und so symbolisiert der felsige Zwischenraum nicht nur die großen Hindernisse, sondern auch die Hoffnung, die über Leben und Tod entscheiden kann.

Ein Lawinenunglück war der Auslöser zu meiner Skulptur HIFE. Aber bereits während der Bearbeitung weitete sich für mich die Bedeutung der Skulptur.

Die Flucht über das Mittelmeer als Zeichen tiefster Verzweiflung und Not waren dabei für mich genauso präsent, wie einsame, trauernde, hungrige, verunsicherte, bedrohte oder verzweifelte Menschen in unserer Nähe, die um Hilfe bitten. Nicht immer mit lauten Hilferufen, oft auch nur mit unscheinbaren Zeichen. Wenn wir aufmerksam sind und genau hinschauen, können wir ihren Schrei nach Hilfe auch von stummen Lippen ablesen und Hilfe anbieten. Ob nun mit oder ohne Migrationshintergrund, denn Hilfe geht in beide Richtungen.

Wer Hilfe in der Not erfahren hat, gibt sie oftmals später weiter.

Helfer retten mit Ihrer Hilfe nicht nur bedrohte Menschen aus der realen Not, sondern setzen gleichzeitig immer auch ein Zeichen gegen die Gleichgültigkeit und für die Mitmenschlichkeit.

Bedingungslose Hilfsangebote können ein ermunterndes, hilfreiches Zeichen für Menschen sein, sich anzuvertrauen, sich in ihre Bedürftigkeit zu zeigen und Hilfe anzunehmen.

Ich möchte mit meiner Arbeit anregen sich sowohl mit der Hilfesuchenden Person, als auch mit der Rolle der Helfer auseinander zu setzen.

Was wäre, wenn WIR flüchten müssten, wenn WIR in Not gerieten, wenn WIR uns fremd fühlten, wenn WIR Hilfe bräuchten? Wie fühlen sich die vielen Helfer? Wo kann ICH helfen?